Berlondon-Mama: Von 7 Eingewöhnungen nur 1 bedürfnisorientiert

Ich, Sandra, übergebe heute für meine Reihe #kigastartinternational mal ganz fix das Wort an Uta von BerlOndonmama. Und los gehts! 🙂

Sandra hat dazu aufgerufen, einmal davon zu berichten, wie die Kindergarteneingewöhnung in anderen Ländern aussieht, und da mache ich doch gerne mit. Ich habe dazu auch schon auf meinem Blog geschrieben, berichte aber hier gerne einmal in einer Zusammenfassung:

Wir haben nämlich einige „Eingewöhnungen“ hinter uns. Um genau zu sein, sind meine Kinder in sieben (!) verschiedene Kindergärten gegangen. Und wer jetzt glaubt, ich müsste ja mindestens 4 Kinder haben, der irrt. Es sind nämlich nur 2, die wir etwas „umhergezogen“ haben …

Die ersten beiden Kindergarteneingewöhnungen in Hong Kong

Wir haben einmal für 2 Jahre in Hong Kong gelebt. Also mein Mann war 2 Jahre da, meine 2010 geborene Große und ich waren zwischendurch immer mal für ein paar Wochen zu Hause in Berlin und netto vermutlich nur so 18 Monate in Hong Kong.

Für Kinder unter 2 Jahren gab es eigentlich kaum Kindergarten-Einrichtungen – zumindest nicht, wo wir lebten, so dass gar nicht zur Debatte stand, die Große schon so früh in den Kindergarten zu geben. Kurz vor ihrem zweiten Geburtstag hat sie einen Platz in einer „drop-off Playgroup“ bekommen: 2x die Woche für 2,5 Stunden. Diese Playgroup befand sich in einer kleinen Wohnung ohne Garten, war aber sehr liebevoll eingerichtet. Auch die Kindergärtnerin Miss Firoza und ihre Assistentin waren wirklich reizend!

Allerdings hieß es schon am ersten Playgroup-Tag: „Ihr dürft die ersten 5 Minuten mit im Raum bleiben, aber dann geht ihr bitte und kommt nach 90 Minuten die Kinder abholen”.

Die Große hat dort gleichzeitig mit ihrem thailändischen Freund angefangen und während seine Mama sich weniger Sorgen darüber gemacht hat, dass ihr Sohn heulen oder sich nicht wohlfühlen könnte, und sich stattdessen über die freie Zeit gefreut hat, war meine Freude etwas verhaltener und ich hatte es mir zur Sicherheit mit einem Buch bewaffnet im Hausflur gemütlich gemacht. Zum Glück hat es der Großen aber gut gefallen und sie schien mich gar nicht vermisst zu haben.

Ab dem zweiten Tag sollten die Kinder direkt die ganze Zeit alleine da bleiben. So weit hat das auch alles ganz gut geklappt, vor allem, wenn nicht ich, sondern unsere liebe philippinische Haushälterin sie dort abgegeben hat. Bei mir hat meine Tochter doch manchmal beim Verabschieden ein wenig Theater gemacht, war dann beim Abholen aber jeweils superhappy, weil die wirklich schöne Sachen mit den Kindern gemacht haben.

Mama-Bloggerin Uta von BerlOndon-Mama in Londoner Park
Kosmopolitin BerlOndon-Mama Uta

Irgendwann haben wir doch noch einen Platz in dem Montessori-Kindergarten angeboten bekommen, von dem uns so vorgeschwärmt worden war, und anstatt sie aus der anderen Spielgruppe rauszunehmen, haben wir die angebotenen Tage dort zusätzlich genutzt, so dass die Große dann mit 2,5 Jahren an 5 Tagen jeweils 2,5–3 Stunden in den Kindergarten ging. Im Montessori-Kindergarten das gleiche Spiel, was die „Eingewöhnung“ anging: Die Kinder wurden am ersten Tag direkt alleine abgegeben, basta!

Meiner Großen hat die Montessori-Philosophie allerdings nie wirklich gefallen. Ich glaube, ihr fehlten einfach die Puppen und die anderen „echten“ Spielsachen. Sie hat sich irgendwann geweigert, dort hinzugehen, und so haben wir sie wieder abgemeldet, konnten aber zeitgleich auch noch einen weiteren Tag in der anderen Playgroup ergattern, die sie wirklich liebte.

Lange Wochen in Berlin ganz ohne Kindergarten?

Wie erwähnt, waren wir zwischendurch immer wochenlang in Berlin. Und da ich nicht wollte, dass sie die Kindergartenroutine wieder verlernt, habe ich auch dort nach einer flexiblen Kindergartenlösung gesucht. Und bin letzten Endes auch fündig geworden! Es war wirklich nicht besonders einfach, weil natürlich fast alle öffentlichen Kindergärten in Berlin einen Kita-Gutschein sehen wollen. Und die privaten Kindergärten, die ich kontaktiert hatte, wollten niemanden für 5–6 Wochen.

Glücklicherweise war die „Toddler Group“ der Berlin-British-School flexibel genug und nahm uns wochenweise auf. Da konnte ich entweder 3 oder 6 Stunden am Tag buchen und auch entscheiden, wie viele Tage meine Tochter im Ganzen dort hingeht. Und der Kindergarten ist sogar ganz in der Nähe meiner Eltern, wo wir bei Berlinbesuchen immer wohnen. Das hat also alles perfekt gepasst!

Doch auch da dasselbe Bild: Ich durfte mal kurz mit in den Raum schauen, aber dann sollte ich mich schnell verabschieden und gehen. Vermutlich weil die Große das irgendwie schon gewöhnt war und weil sie am Anfang immer alles sehr spannend findet, war das auch in dem Fall kein Problem.

Erleichtert hat das Ganze natürlich auch, dass die Kindergarten-Gruppen damals in Hong Kong auf Englisch waren, so dass meine Tochter in der Berlin-British-School zumindest alles verstanden hat, auch wenn sie in der Zeit noch nicht viel auf Englisch antworten wollte. Die australische Kindergärtnerin in Berlin verstand aber auch gut Deutsch und als wir beim nächsten Elternbesuch die Toddler Group in Anspruch nahmen, war mittlerweile sogar eine Zweisprachigkeit vorgeschrieben und deshalb eine zweite, deutsche Erzieherin dort.

Umzug nach London und wieder ein neuer Kindergarten

Im Sommer 2013 ist meine kleine Tochter in Berlin geboren worden. Und auch da konnte die Große wieder in die Berlin-British-School gehen, was echt toll war. Kurz darauf sind wir dann nach London gezogen und weil die Große erst im Herbst 3 Jahre alt wurde, war sie zu jung, um direkt in den Kindergarten einer öffentlichen Schule gehen können. So mussten wir für ein Dreivierteljahr eine private Nursery finden. Gar nicht so einfach in London, weil die sehr ausgelastet sind. Und dazu auch noch sehr teuer.

Einige Schulkindergärten nehmen sogar unterjährig neue Kinder auf, wenn diese 3 Jahre alt geworden sind. Aber irgendwie habe ich das erst viel später erfahren und mich deshalb auch gar nicht danach erkundigt.

Und, wie ihr euch wohl denken könnt, dasselbe Bild in der privaten Nursery, die wir dann gefunden haben: Eine echte Eingewöhnung gab es nicht. Dieses Mal hat die Große es auch am Anfang nicht ganz so leicht mit der Integration gehabt, weil sich die Kinder der Gruppe überwiegend schon aus „Windeltagen“ kannten und ihr Englisch einfach noch nicht so perfekt war, dass sie leicht mit den Windelkumpels in Kontakt treten konnte.

Das Besondere an dieser privaten Nursery im Gegensatz zu vielen anderen war, dass man die Kinder auch halbtags abgeben konnte. Das ist definitiv eher die Ausnahme und ganze Tage, an denen man die Kinder ca. von 8:00 bis 18:00 Uhr abgeben kann, sind die Regel.

Eingewöhnung Kindergarten London Nursery
Kindergarten in London

Schulkindergarten mit Drei-Dreiviertel

Die meisten Schulen in UK haben eine angeschlossene Nursery. Dort gibt es 5 Mal die Woche in der Regel 3 Stunden dauernde „Sessions“: Eine am Morgen und eine ab Mittag bis zum Schulende der großen Kinder.

Bei den Schulkindergärten – zumindest in unserer Gegend – läuft die Eingewöhnung so, dass die Erzieher vorher das Kind ein Mal zu Hause besuchen. Sich vorstellen, das Kind und die Eltern / einen Elternteil kennenlernen und schon mal überprüfen, wie weit das Kind entwickelt ist.

Wenn es dann Anfang September losgeht mit dem Kindergarten, werden die Kinder meistens nach und nach hinzugenommen: Entweder am selben Tag im Stundentakt gestaffelt oder über mehrere Tage hinweg. Wobei dann darauf geachtet wird, dass die Kinder, die ganz neu im Kindergarten sind, also keine größeren Geschwister haben, als Allererstes anfangen, um sich in Ruhe und in einer kleineren Gruppe eingewöhnen zu können. Natürlich gilt auch hier wieder: Verabschieden und das Kind mit einem freundlichen, aber konsequenten „Schubs“ in die Gruppe schieben …

Hier hat sich die Große aber wieder sehr schnell eingelebt. Ich denke, dass das auch daran lag, dass nun erstmalig alle Kinder jeden Tag da waren und sich ein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl gebildet hat. In den privaten Kindergärten gehen die Kinder oft nur an gewissen Tagen hin. Die wenigsten Eltern wollen wohl eine private Nursery an den Tagen bezahlen, wenn die Mutter oder der Vater zu Hause ist.

Uta von BerlOndon-Mama erzählt von Kindergarteneingewöhnungen in London und Hong Kong
Für die kleine Tochter gab es in London den bedürfnisorientierten Weg

Die Eingewöhnung der Kleinen in die private Nursery

Als die Kleine knapp zwei Jahre alt war, habe ich wieder angefangen, vier Tage zu arbeiten. In der Zeit hatten wir unser erstes Au-Pair und schnell war klar, dass sie nicht vier Tage full-time für die Kleine da sein kann. So haben wir uns auch für sie nach einer privaten Nursery für 2 Tage umgeschaut und lediglich eine gefunden, in der keine halben Tage angeboten wurden.

Und siehe da: Es gibt auch noch eine andere Art von Eingewöhnung in London! Diese Nursery hat sehr viel Wert auf Bedürfnisorientierung gelegt: Obwohl die Kleine nur 2 Tage die Woche dort hingehen würde, durfte sie in den ersten 2–3 Wochen öfter kommen, um die Verweildauer alleine bzw. zunächst mit Au Pair in Sichtweite, dann außerhalb der Sichtweite, sehr langsam auszudehnen. Fast die gesamte Eingewöhnung hat das damalige Au Pair gemacht, was es insgesamt auch etwas erleichtert hat, weil die Kleine natürlich nicht so sehr an ihr hing wie an mir.

Ich bin sehr froh darüber gewesen, mit der Kleinen – mehr zufällig – in einem Kindergarten mit richtigem „Eingewöhnungprogramm“ gelandet zu sein, weil sie nämlich von der Persönlichkeit her die deutlich schüchternere der beiden ist. Mit ihr hätte ein „sofortiges Abschieben“ nämlich nie geklappt!

Als sie dann im Juli 3 geworden ist, ist sie im folgenden September auch in den Schulkindergarten gekommen. Auch hier gab es im Vorfeld wieder den Besuch der Erzieher zu Hause. Obwohl es keine echte Eingewöhnung gab, hat das in dem Fall trotz ihrer anfänglich immer vorhandenen Schüchternheit erstaunlich gut geklappt (natürlich gab es aber auch mal Tränen beim Verabschieden).

Das Gute war, dass sie einige Kinder in ihrer Gruppe hatte, die die jüngeren Geschwister der Freunde meiner Großen sind. Und so kannte sie zumindest schon einige Kinder. Und die Kindergärtnerin war auch noch ein wesentlicher Faktor, wieso es recht reibungslos mit der nicht-vorhandenen Eingewöhnung im Schulkindergarten geklappt hat: Die ist einfach sowas von toll gewesen!

Mittlerweile sind beide in der richtigen Schule angekommen und gerade die Kleine muss sich noch ganz schön umstellen, weil es von den 3 Stunden Schoolnursery zu 6,5 Stunden „Vorschule“ ein ganz schön großer Schritt ist.

Im Nachhinein muss ich sagen, hat das alles in allem zumindest für uns sehr gut geklappt. Vor allem auch, weil beide bei ihren Eingewöhnungen zufällig genau das vorgefunden haben, was sie brauchten (ein großes Glück für uns).

Wer sich solch eine abrupte Eingewöhnung à la „ins kalte Wasser stoßen“ für seine Kinder nicht vorstellen kann, sollte das in UK in der jeweiligen Einrichtung frühzeitig ansprechen. Ich kann mir vorstellen, dass es dann auch eine etwas „verträglichere“ Art der Eingewöhnung gibt.

Wenn ihr speziellere Fragen zu Kindergärten in London habt, hüpft gerne mal auf meinem Blog vorbei und hinterlasst einen Kommentar oder schreibt mir eine Nachricht. Ich freue mich immer, wenn ich helfen kann.

Eure Uta x

Wie der Name BerlOndon-Mama schon sagt, bloggt Uta über ihr Familienleben zwischen ihrer Heimat Berlin und ihrer Wahlheimat London. Wer ein bisschen interkulturelle Luft schnappen möchte, dem empfehle ich, mal bei Uta vorbeizuschauen. Dort gibt es neben Familien- und Auswanderungsgeschichten auch Tipps zum Englischlernen. Und das eine oder andere Bild, das Englandfans wie mir ein kleines „Hach, da wäre ich jetzt auch gerne!“ entlocken.

Herzlichen Dank, liebe Uta, für deinen tollen Beitrag zu #KigastartInternational.

Für alle weiteren Berichte zur Eingewöhnung aus aller Welt, bitte hier entlang.

Lesungen zum bundesweiten Vorlesetag

Am 17. November 2017 ist wieder der bundesweite Vorlesetag. Alle, nicht nur wir Kinderbuchautorinnen, sind dazu aufgerufen, an dem Tag an einer Vorlese-Aktion teilzunehmen, um die Freude an der Literatur weiterzuvermitteln.

Da ich an dem Tag schon auf der Reise nach Bochum zur FEBuB bin, findet meine Lesung bereits am Vortag statt, am 16. November 2017. An dem Tag stelle ich den Kindergartenkindern der KiTa Trippstadt „Flim Pinguin im Kindergarten“ vor,  mein neues Kinderbuch gegen Trennungsangst für Kindergartenneulinge.

Eingewöhnung in Mexiko: Kind abgeben und weg…

Ich hatte euch dazu aufgerufen, mir Beiträge von euren Erfahrungen mit der (bedürfnisorientierten?) Kindergarteneingewöhnung im Ausland zu schicken.

Ich freue mich sehr, euch heute die erste Gastautorin vorstellen zu können. Anke P. berichtet für euch brandaktuell von ihrem Aufenthalt mit Familie in Puebla, Mexiko:

Wir leben zurzeit in Mexiko und haben eine 3,5-jährige Tochter. Wir kamen hier in Mexiko an, als Lina gerade zwei Jahre alt geworden ist. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit ihr noch zu Hause, da ja alles noch neu für uns war und ich sie so jung noch nicht in eine Betreuung geben wollte.

Mexikanischer Spielekreis: Ein sanfter, vielversprechender Start

Nach ein paar Wochen wurde ich auf einen privat geführten Spielekreis aufmerksam, an dem wir dann auch drei Mal die Woche teilnahmen. Die Leiterin war eine mexikanische Erzieherin und die Treffen fanden jede Woche bei einer anderen Spielkreis-Mama zu Hause statt. Insgesamt waren es 6 Kinder. Das war eine ganz tolle Gelegenheit, dass meine Tochter Kontakt zu anderen Kindern bekam und sich in einer häuslichen und behüteten Atmosphäre aufhielt. Die anderen Kinder wurden schnell zu Freunden und auch die Mamas haben sich allesamt prima verstanden.

Kindergarteneingewöhnung: Leichter mit deutschen Erzieherinnen?

Nach gut einem Jahr – die Kinder sind alle über drei Jahre alt gewesen – begann der Kindergarten. Wir meldeten Lina in einem deutsch geführten Kindergarten an, in dem auch immer eine der beiden Erzieherinnen deutschsprachig war. Denn nach einem Jahr Mexiko-Aufenthalt verstand Lina zwar etwas Spanisch, aber sie wollte es nicht sprechen.

Frau umarmt Lama in mexikanischer Berggegend
Mama Anke mit Lama (Foto: Anke P.)

Somit dachte ich, es wäre hilfreich, wenn jemand Deutsch sprechen würde. In ihrer Gruppe waren 24 Kinder, davon 4 Deutsche, und der Rest mexikanische Kinder. Die Erzieherinnen machten alle einen tollen Eindruck, jedoch war die Eingewöhnung recht hart: Hingehen, Kind abgeben, kurz verabschieden – und dann müssen die Mamas gehen. Puh!

Es war ein Reinfall … Meine Tochter weinte so bitterlich, dass ich dachte: Das tue ich meinem Kind nicht an, gerade nicht in der ersten Woche.

Ich sprach mit der Kindergartenleiterin, die mir dann „entgegenkam“, indem sie sagte, ich könne ja ein paar Minuten dabei bleiben. Aber ich merkte, dass meiner Tochter auch das nicht reichte. Eine neue Umgebung, neue Bezugspersonen, viele lebhafte, nicht deutschsprechende Kinder, das ist ganz schön viel für ein dreijähriges Kind.

Naturgewalten unterbrechen das Drama der Eingewöhnung

Ich blieb die erste Woche dann bei ihr, aber sobald ich mich verabschieden wollte, fing sie bitterlich an zu weinen. Die Erzieherinnen sagten immer „Das wird schon, nach ein paar Minuten wird sie sich schon beruhigen!“, aber wenn ich merke, meinem Kind geht es nicht gut, dann lasse ich es nicht weinend zurück. Somit nahm ich Lina dann immer wieder mit nach Hause.

Sie war glücklich und ich merkte, dass ich in diesem Moment das Richtige für mein Kind getan hatte. Eine Zwangspause stellte sich ein, nachdem unsere Wohngegend zweimal durch heftige Erdbeben erschüttert wurde und der Kindergarten jeweils eine Woche geschlossen war. Lina war bei mir zu Hause und glücklich.

Neustart im Kindergarten. Unter besonderen Bedingungen

Ich bereitete sie in der Zeit, als wir auf die Wiedereröffnung warteten, erneut auf den Beginn des Kindergartens vor und hatte zwischenzeitlich auch erneut mit der Leiterin gesprochen, um mich zu erkundigen, ob Lina nicht in eine Gruppe mit ihrer besten Freundin könne.

Das wurde genehmigt – und siehe da, es klappte besser: Meine Tochter ging mit ihrer Freundin morgens Hand in Hand in die Gruppe und war glücklich. Der Wechsel in die andere Gruppe ist jedoch nur gestattet worden, da wir bald wieder aus Mexiko ausreisen und es Lina die letzten Wochen hier noch so schön wie möglich haben soll.

Da denke ich mir aber auch wieder: Wären wir nun länger hier, was wäre dann? Hätte sie sich dann durchquälen müssen? Falls dies der Fall gewesen wäre, hätte ich sie auf jeden Fall noch eine Weile zu Hause gelassen. Diese Form der Eingewöhnung, „Kind hinbringen, abgeben und irgendwann wird es sich schon beruhigen“, ist fernab von meiner Vorstellung, ein Kind bedürfnisorientiert einzugewöhnen.

Der erste Bericht zur internationalen Eingewöhnung für #KitastartInternational
Eingewöhnung in Mexiko: wenig bedürfnisorientiert

Noch ein Beispiel: Der Alptraum mit dem Schwimmkurs

Hier in Mexiko ist es aber normal. Da werden die Kinder vermehrt schon sehr, sehr früh in eine Betreuung gegeben. Ein anderes Beispiel ist der Schwimmkurs, den wir nachmittags besuchen wollten. Aus Deutschland kennen wir es so, dass die Kleinkinder gemeinsam mit Mama oder Papa im Wasser sind. Hier war es so: Kind hinbringen, umziehen und ab ins Wasser zu einer Schwimmlehrerin (mit 2 Jahren!) und die Mama muss draußen hinter einer Glasfront warten.

Natürlich ging das gnadenlos schief und nach 20 Minuten (ich ärgere mich so sehr über mich, dass ich sie haben so lange weinen lassen, aber ich habe mich zu sehr von den anderen Mamas beeinflussen lassen – gut, Fehler macht jeder mal …) holte ich sie aus dem Wasser.

Wir sind nie mehr dort hin, denn jedes Mal, wenn wir an der Schwimmschule nur vorbeifuhren, sagte Lina: „Mama, da will ich nicht mehr hin, da habe ich so geweint.“

Mannomann, was habe ich meinem Kind angetan? Da merkte ich, was für Spuren das hinterlassen hat. Andere Kinder kommen sicherlich schneller und besser damit zurecht, wenn man sie von der Mama trennt, aber ob das unbedingt so gut ist? Meiner Meinung nach zumindest nicht, gerade wenn sie noch so klein sind.

Mexiko ist ein tolles Land, aber Bedürfnisorientierung: Fehlanzeige

Resümierend kann ich sagen: Hier in Mexiko gibt es keine bzw. kaum bedürfnisorientierte Eingewöhnung. Vielleicht liegt es eben daran, dass die Kinder es gewohnt sind, sehr früh schon von der Mama getrennt zu sein. Es gibt keine Elternzeit, die Mamas gehen rund 4 Wochen nach der Entbindung wieder arbeiten. Dann sind die Kinder entweder bei einem Familienmitglied (Omas, Tanten oder älteren Geschwistern) oder schon ganz früh in der Krippe. Und die Mamas, die nicht arbeiten gehen, haben in der Regel alle Nannys zu Hause, die sich mit dem Kind beschäftigen.

Wir deutschen Mamas schwimmen hier regelrecht gegen den Strom, da wir einfach Mamas sind und unsere Kinder zu Hause selbst erziehen. Auch auf den Spielplätzen (die, so muss ich sagen, hier alle wirklich toll sind) sieht man häufig die Nannys oder Muchachas mit den Kindern, selten die eigenen Mamas.

Es ist eine andere Welt hier, an die ich mich (was die Kindererziehung und -Betreuung betrifft) nur wenig angepasst habe. Lina geht die letzten Wochen, die wir hier noch verbringen, nur in den Kindergarten, wenn sie es wirklich möchte. Ansonsten bleibt sie zu Hause.

Grünland vor verschneitem Berg unter blaumem Himmel in Mexiko
Berglandschaft in Mexiko (Foto: Anke P.)

Im November sind wir wieder zurück in Deutschland und ich bin sehr gespannt, wie wir mit dem „Berliner Eingewöhnungsmodell“ zurechtkommen. Alles in allem ist Mexiko aber ein fantastisches Land, wir als Familie möchten keine Sekunde hier missen! Wir würden hier jederzeit wieder herkommen!

Tipps für Expats mit Kindergartenkindern in Mexiko

Ich habe Anke gefragt, wie sie sich insgesamt in Mexiko gefühlt hat, ob sie etwas über ihr Umfeld erzählen möchte und ob es etwas gibt, was sie anderen Familien, die nach Mexiko auswandern möchten, empfehlen kann. Hier kommt ihre Antwort:

Wir leben seit April 2016 hier und gehen im November in diesem Jahr wieder zurück nach Deutschland. Wir waren somit 1,5 Jahre hier! Neben dem ganzen Hin und Her mit dem Kindergarten ist Mexiko ein wahnsinnig kinderfreundliches Land – deutlich kinderfreundlicher als Deutschland. In fast allen Restaurants gibt es Kinderspielecken, es gibt unzählige Spielplätze, die Menschen sind niemals gestresst vom Kinderlärm oder wenn das Kind beim Einkaufen – sei es im Supermarkt oder in einem Modegeschäft – das Regal ausräumt. Wenn so etwas passiert, kommt ein freundliches und vor allem ehrliches Lächeln und es folgen beruhigende Worte, die übersetzt so etwas bedeuten wie: „Kein Problem, ich kümmere mich später darum, schauen Sie in Ruhe weiter!“

Mexiko ist ein serviceorientiertes Land, in dem die Kinder an erster Stelle stehen.

Wir leben in Puebla, einer Großstadt mit knapp 2 Mio. Einwohnern. Als Tipp für Familien, die nach Mexiko gehen oder es in Erwägung ziehen, hierher zu kommen, kann ich nur sagen: Es wird die richtige Entscheidung sein! Lediglich bei der Auswahl des Kindergartens würde ich es anders machen und Lina in einen Montessori-Kindergarten bringen. Die gibt es hier auch, nur wurde dieser (der bei uns in der Nähe ist) leider zu spät eröffnet.

Ein ganz herzliches Dankeschön an Anke P. für diesen unglaublich spannenden Bericht – und alles Gute für die Kindergarteneingewöhnung in Deutschland.

Liebe Anke, bitte lass dir eins gesagt sein: Du hast keinen Grund, dir Vorwürfe zu machen. Du hast in jedem Moment das Richtige getan – für genau diesen Moment. Ich bin mir sicher, wenn du es schaffst, unbefangen an das Thema Schwimmen heranzugehen, dann wird auch deine Tochter das Schwimmen lieben lernen. Und ganz davon abgesehen: Lina liebt dich von Herzen. Du bist für sie da. Mit deinen Stärken und deinen Schwächen, denn du bist ein Mensch. Ein toller Mensch, der seinen eigenen, bedürfnisorientierten Weg geht. Hand in Hand, in Liebe, gemeinsam mit deiner Tochter. Ich bin sicher, Lina gibt dir keine Schuld, sie hat es vermutlich nie getan. Jetzt ist es nur noch an dir, dir selbst zu vergeben!

Alles Liebe für euch und ein gutes Wiederankkommen in Deutschland.

Du hast auch etwas zum Thema internationale Eingewöhnung zu berichten? Dann schreib mir!

Kindergarteneingewöhnung international – Gastbeiträge gesucht

In Deutschland: Mal so, mal so

Die Kindergarteneingewöhnung hierzulande ist sehr unterschiedlich. Mal überwiegt das Berliner Modell, wird aber aufgrund von Personalmangel nicht vollständig umgesetzt, mal fällt die Eingewöhnung ganz flach – und mal wird alles ganz, ganz individuell und bedürfnisorientiert gestaltet (ich hoffe sehr, dass sich diese Variante in den nächsten Jahren durchsetzt).

Das Internet ist voll von Erfahrungsberichten, guten wie schlechten.

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Eingewöhnung im Kindergarten: Hoffentlich mit Sonne im Herzen

Und die Kindergarteneingewöhnung im Ausland?

Die Übersetzerin in mir, die sich noch immer sehr für internationale Themen interessiert, hat sich neulich gefragt: Wie ist das eigentlich im Ausland mit der Eingewöhnung? Wird da denn Rücksicht genommen auf die Bedürfnisse der Kinder? Gibt es dort Vorgaben von zentraler Stelle?

Vielfalt pur

In einer Müttergruppe habe ich einfach mal nachgehakt. Die Ergebnisse waren unfassbar vielfältig. So vielfältig, dass ich mich entschlossen habe, in Zukunft Beiträge zu diesem Thema hier auf dem Blog zu sammeln.

Unter dem Hashtag #KigastartInternational werde ich eure Gastbeiträge zur Kindergarteneingewöhnung im Ausland auch auf meinen Kanälen verbreiten.

Mitmachen?

Hier sind ein paar Eckpunkte, an denen ihr euch orientieren könnte (aber nicht müsst):

  • Von welchem Land wirst du berichten?
  • Wie alt war dein Kind zum Start der Eingewöhnung?
  • Sprachst du / spracht ihr die Landessprache, als das Kind in den Kindergarten kam?
  • Wie alt sind die Kinder in der Regel beim Start der Eingewöhnung?
  • (Nur für Expats: Wie viel Zeit habt ihr bis zum Beginn der Eingewöhnung bereits im Ausland gelebt?)
  • Hast du dir vor der Eingewöhnung viele Gedanken darüber gemacht bzw. das Ganze viel deinem Kind besprochen?
  • Welche Erwartungen hattest du an die Einrichtung bzw. die Erzieher und wurden sie erfüllt?
  • Wie lange hat die Eingewöhnung gedauert bzw. gab es überhaupt eine?
  • Warst du zufrieden damit?
  • Wie hat dein Kind die Anfangszeit im Kindergarten verkraftet?
  • Gab es etwas, was euch die Eingewöhnung erleichtert hat?
  • Was hat dir gut gefallen – und was ist vielleicht nicht so gut gelaufen?
  • Hast du Tipps zur Eingewöhnung in „deinem“ Land?

Weil ich zu Beitragslänge und Termin dieser Aktion gefragt wurde:

  • So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Mit anderen Worten: Fühl dich frei! 🙂
  • Zum Termin: Keine Eile. Ich werde diese Aktion sicher ein paar Monate laufen lassen und pro Monat einen Beitrag veröffentlichen. Es wird nach dem Prinzip laufen: Wer zuerst schreibt, erscheint zuerst. 😉

Ausländische Kinder in deutschen Kindergärten?

Sehr gerne würde ich auch Beiträge von Erzieher(inne)n hierzulande lesen, die ausländische Kinder eingewöhnt haben. Oder aber von Menschen aus anderen Ländern, die ihr Kind in den deutschen Kindergarten gebracht haben. Wie war das für euch und eure Kinder?

Warum das Ganze?

Ursprunglich hatte ich vor, ausschließlich positive Beiträge zu sammeln, aber es gibt sie ja leider auch, die nicht geglückten Eingewöhnungen. Auch sie sind wichtig, um ein Gesamtbild zu schaffen, wie es auf der Welt aussieht. Meine Vision ist, durch diese Beiträge ein Augenmerk darauf zu richten, dass eine Eingewöhnung auch auf die sanfte, bedürfnisorientierte Art funktioniert. Und dass es immer eine Möglichkeit gibt, Ängste abzulegen und sie durch Liebe zu ersetzen. Ich möchte ein Bewusstsein schaffen dafür, dass eine Eingewöhnung in Liebe möglich und vor allem notwendig ist. Ein Kind, das sich in Liebe verbunden fühlt, kann sich von den Eltern lösen, ohne ein Trauma fürs Leben davonzutragen. Und es kann sich seine Empathie bis ins Erwachsenenalter beibehalten und damit zum Grundstein einer liebevolleren Gesellschaft werden.

Wohin damit?

Wer Lust hat mitzumachen, schreibt mir einfach eine Mail mit dem Gastbeitragstext. Ein paar Eckdaten zu dir und deiner Familie und dem, was du beruflich machst, fände ich schön, sofern du das verraten möchtest. Sehr gerne mit Links.

Ich bin gespannt! 🙂

Sandra experimentiert: Ein Wellnesswochenende mit fremden Frauen

Die Anfahrt: Schwierig!

Im sintflutartigen Regen fuhr ich letztes Wochenende durch den Pfälzerwald. Ich war auf dem Weg zu meinem ersten Blogger-Event.

Bereits im Nachbardorf machte es „Schwommmps!“ – und mein Scheibenwischer fiel ab. Toller Start!

Im Schneckentempo erreichte ich die nächste Stadt. Es dauerte 30 Sekunden, bis der freundliche Automechaniker der Werkstatt hinter der Tankstelle zu mir sagte: „Das wars! Gute Fahrt weiterhin!“

Retter in der Not: Autohaus Schäfer in Lambrecht

Dank ihm erreichte ich das Hotel Lindner in Speyer gerade noch rechtzeitig zum ersten Vortrag.

Trotz Panne angekommen!

Ich glaub, ich bin hier falsch, dachte ich mir danach – und überlegte dann, ob ich vielleicht einfach durch die fantastischen Referentinnen aus dem Netzwerk Texttreff zu hohe Ansprüche habe.

Doch dann kam Mareike Schamberger von mami-startup und haute mich um mit ihrem SEO-Vortrag. Ich hab ja mal vor gefühlten 53 Jahren selbst bisschen SEO gemacht, aber … so vieles war mir neu. Diese Frau ist einfach eine Marke: ehrlich, authentisch und überaus kompetent. Sie hat mit ihrem Blog gerade erst angefangen, aber schon jetzt sammeln sich wertvolle Beiträge auf ihrer Seite. Um keinen zu verpassen, hab ich mich gleich für ihren Newsletter angemeldet. Schaut mal rein, vielleicht ists auch was für euch!

Im Anschluss hab ich zum ersten Mal im Leben Pilates gemacht. Die Trainerin war überaus motivierend. Ein wenig schade fand ich nur, dass sie einfach ihr Programm durchgezogen hat, ohne unsere Haltung zu verbessern oder uns Tipps zu geben. Aber egal – es hat mir gefallen. Heute hab ich nen Schnuppertermin für Pilates hier in der nächsten Stadt. 😉

Das Hotel hat einen Wellness-Bereich, der sich nicht schämen muss, wenn er mit einem Erlebnisbad verglichen wird. Mehrere Schwimmbäder und etliche Saunen standen zur Erkundung bereit. Ich verquatschte mich erst mit Annina von breifreibaby. Ohne es zu merken, schwammen wir endlose Runden durch das Außenbecken. Danach blieb ich mit Steffi von mamaz im Whirlpool hängen. Da sie schon darüber berichtet hat, übergebe ich ihr einfach mal das Wort. Schaut mal hier.

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Lesung bei Speyerer Blogger-Event in Leimen bei Heidelberg

Am 19.03.2017 war ich zum ersten Mal mit meinem Erzähltheater unterwegs. Beim Mama-Blogger-Event in Speyer (siehe Bericht hier) habe ich sowohl den Milchvampir vorgestellt als auch über das Bücherschreiben referiert. Auch die Themen Vermarktung, Verlagssuche und Lektorat kamen zur Sprache. Wer sich fürs Schreiben interessiert, dem empfehle ich übrigens auch meine FAQ-Seite.

Autorin in Aktion. Mit freundlicher Unterstützung von Fotografin Andrea Stech

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